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Psychotherapeutenkammer Niedersachsen
Körperschaft des öffentlichen Rechts

Leisewitzstr. 47
30175 Hannover
 

Informationen zur Psychotherapie

Was ist Psychotherapie? Eine Information für Patientinnen und Patienten

Psychotherapie ist eine Krankenbehandlung, die sich mit der Seele des Menschen und der Linderung von seelischem Leid beschäftigt. Dieses seelische Leid kann sich sehr unterschiedlich zeigen. Ängste, Phobien oder Depressionen können das Empfinden so sehr dominieren, dass alle anderen Gefühle beiseite gedrängt werden. Zwänge, Essstörungen oder Süchte stellen in der Regel schwere Beeinträchtigungen dar. Bei psychosomatischen Erkrankungen können körperliche Symptome als Ausdruck einer seelischen Erkrankung auftreten. Auch können körperliche Erkrankungen nachhaltige Auswirkungen auf unser Seele haben und so durch Psychotherapie mitbehandelt werden. Schließlich ist bei Erkrankungen wie Psychosen, bipolaren Störungen oder Demenz eine (Mit-)Behandlung durch Psychotherapie häufig sinnvoll. Psychotherapie kann in jedem Alter von der Behandlung eines Säuglings zusammen mit seiner Mutter bis hin zur Behandlung von Menschen in sehr hohem Alter sinnvoll und notwendig sein.
Erkrankungen der Seele haben nichts mit “das bilde sich jemand nur ein”, oder “da strengt sich jemand nicht genug an” zu tun.
Psychische Erkrankungen stehen in ihrer möglichen Schwere und Behandlungsbedürftigkeit somatischen Erkrankungen in nichts nach.  Glücklicherweise gibt es deutliche Fortschritte in der Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen, auch wenn hier sicherlich noch viel zu tun ist.
Neben der Krankenbehandlung wird Psychotherapie auch außerhalb des Gesundheitssystems  angewandt. So dient sie in der Jugendhilfe verbunden mit pädagogischen Leistungen dem Erreichen der dortigen Ziele, der Förderung der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen oder der (Wieder-) Herstellung der Erziehungsfähigkeit von Eltern. Hier soll Psychotherapie den interaktiven Prozess zwischen Eltern und ihren Kindern fördern, zielt also auf die Arbeit an Beziehungen ab.  Im rehabilitativen Bereich und der Eingliederungshilfe findet Psychotherapie ebenfalls Anwendung und fördert die Selbstbestimmung und Teilhabe einer Person am Leben in der Gesellschaft, die wegen einer körperlichen, seelischen oder geistigen Erkrankung oder Einschränkung beeinträchtigt ist.

Psychotherapie erfolgt im unmittelbaren Kontakt zwischen Therapeut und Patient. Die aktive Mitarbeit der Patientin oder des Patienten ist ebenso wichtiger Teil der Psychotherapie wie gegenseitige Anerkennung und die zuverlässige Verschwiegenheit sowie die Abstinenz des Therapeuten.
In der Psychotherapie kommen unterschiedliche Verfahren und Methoden zur Anwendung. Gegenwärtig sind folgende Verfahren zur Behandlung durch die Krankenkassen anerkannt:

  • Analytische Psychotherapie
  • Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
  • Verhaltenstherapie

Bei der Gesprächspsychotherapie und der Systemischen Psychotherapie liegt bereits eine positiv ausgefallenen wissenschaftliche Überprüfung ihrer Wirksamkeit vor. Sie sind aber bisher nicht Teil der Kassenleistung.
Von den Krankenkassen zugelassenen Psychotherapeuten sind in mindestens einem dieser drei erstgenannten Verfahren ausgebildet. Wenn sich ein Patient an einen Psychotherapeuten wendet, so ist es eine der Aufgaben des Therapeuten, nach den Vorgesprächen und vor Beginn der Behandlung mögliche Therapieformen und deren Vor- und Nachteile mit dem Patienten zu erläutern. Neben den Verfahren spielt in der Psychotherapie auch immer eine Rolle, wie gut sich der Kontakt zwischen Patient und Therapeut entwickelt, also wie gut “die Chemie stimmt”. Dabei können Unstimmigkeiten während einer Psychotherapie wichtiger Teil der Behandlung sein und sollten offen besprochen werden und nicht vorschnell zu einem Abbruch führen, da man sonst möglicherweise wichtige Einsichten verpasst oder auch beim nächsten Therapeut nach einiger Zeit wieder in ähnliche konflikthafte Situationen gerät.

Die Psychotherapeutin oder der Psychotherapeut sind approbierte Psychologische Psychotherapeuten, approbierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin oder entsprechend weitergebildete Fachärzte. Approbation heißt hier, dass nach einem einschlägigen Hochschulstudium eine mehrjährige Ausbildung an einem staatlich anerkannten Ausbildungsinstitut stattgefunden hat und mit einer staatlichen Prüfung abgeschlossen wurde.
Der Berufsbezeichnung “Psychotherapeut” ist in Deutschland gesetzlich geschützt. Die gilt nicht für den Begriff “Psychotherapie”. So bieten auch andere Personen “Psychotherapie” an, in der Regel ohne, dass eine staatliche Überprüfung deren psychotherapeutische Qualifikation erfolgt ist.

Wir empfehlen Ihnen zur weiteren Information zudem die Broschüre der Bundespsychotherapeutenkammer.