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Psychotherapeutenkammer Niedersachsen
Körperschaft des öffentlichen Rechts

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Online Therapie

Hinweise zur Videobehandlung

Seit dem 1. April 2019 können Psychotherapeut*innen eine Behandlung per Video  durchführen. Hierzu wurde der § 5 der Musterberufsordnung (MBO) sowie nachfolgend § 5 der NBO angepasst:

§ 5 Absatz 5 MBO: „Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten erbringen psychotherapeutische Behandlungen im persönlichen Kontakt. Behandlungen über Kommunikationsmedien sind unter besonderer Beachtung der Vorschriften der Berufsordnung, insbesondere der Sorgfaltspflichten, zulässig. Dazu gehört, dass Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung die Anwesenheit der Patientin oder des Patienten erfordern (…)“. Seit dem 1.Oktober 2019 können Psychotherapeut*innen die Videobehandlung nun auch nach EBM abrechnen. Wir möchten Ihnen mit diesen Hinweisen erste Anregungen für Überlegungen zur Planung und Durchführung einer Videobehandlung zur Verfügung stellen. Damit erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit und empfehlen für weitere Informationen das Praxis-Info Videobehandlung der BPTK.

Grundsätzliches

     

  • Eine Videobehandlung sollte nur in den Praxisräumen durchgeführt werden. Die Musterberufsordnung schreibt vor, dass die Ausübung psychotherapeutischer Behandlungstätigkeit grundsätzlich an die Niederlassung in einer Praxis gebunden ist.
  • Eine Videobehandlung darf nur über eine sichere Datenverbindung durch einen sicheren und zertifizierten Videodienstanbieter durchgeführt werden (siehe dazu § 5 Anlage 31b Bundesmantelvertrag-Ärzte.) Dies muss der Kassenärztlichen Vereinigung im Vorfeld angezeigt werden (Nähere Informationen bietet die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen). Diagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung sowie die Einwilligung in die Behandlung erfordern einen unmittelbaren Kontakt mit der behandelnden Psychotherapeut*in. Um eine selbstverantwortliche Entscheidung (ggf. auch der Sorgeberechtigten) treffen zu können, müssen im persönlichen Gespräch alle bedeutsamen Implikationen verstanden worden sein.
  • Die Patient*innen oder die Sorgeberechtigten müssen eine schriftliche Einwilligung erteilen, die sich konkret auf den Zweck der Videobehandlung beziehen muss.
  • Eine Videobehandlung ist freiwillig, für Patient*innen und Psychotherapeut*innen.
  • Eine Behandlung per Video hängt vom Einzelfall ab (keine allgemeine Indikation für bestimmte Krankheitsbilder) und die Indikation dafür muss im unmittelbaren Kontakt gestellt werden. Eine Videobehandlung kann für Patient*innen oder im Falle einer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie auch für Elterngespräche geeignet sein, wenn ein unmittelbarer Kontakt mit erheblichen Hürden verbunden ist.

     

Fragen vor einer Videobehandlung

     

  • Verfügt die Patient*in über einen eigenen PC oder ein ausreichend großes Tablet? Ungeeignet ist ein Smartphone aufgrund des kleinen Displays.
  • Lässt die Lebenssituation der Patient*in eine ausreichende Privatsphäre für die Behandlung zu und kann die Schweigepflicht ausreichend gewahrt werden (z.B. eigener Raum mit verschließbarer Tür für die Videobehandlung)? Ist die Vertraulichkeit auf beiden Seiten gewährleistet (keine Dritten anwesend, keine Mitschnitte der Behandlung)?
  • Sind ggf. die Sorgeberechtigten einverstanden? Für eine Videobehandlung bei Kindern und Jugendlichen über die Nutzung von Videodienstanbietern ist die Einwilligung der Sorgeberechtigten notwendig, falls die Kinder und Jugendlichen noch keine 17 Jahre alt sind.
  • Wie sensibel geht die Patient*in mit eigenen Daten um?
  • Gibt es eine ausreichende Medienkompetenz, insbesondere bei Kindern, Jugendlichen und älteren Patient*innen?

     

Klinische Überlegungen

     

  • Könnte es sein, dass beispielsweise Patient*innen mit Neigung zu hoher Impulsivität bei Belastung die Videositzung per Klick beendet?
  • Könnte es sein, dass der Wunsch nach einer Videobehandlung bedingt ist durch Ängste vor unmittelbarem Kontakt?
  • Ist die Patientin oder der Patient unmittelbar suizidal?
  • Gibt es einen Notfallplan bei Krisen?
  • Wie gehen Psychotherapeut*in und Patient*in mit technischen Störungen um?
  • Sollten Bezugspersonen mit einbezogen werden?
  • Gibt es andere störungsspezifische Faktoren die gegen eine Videobehandlung sprechen könnten (z.B. psychotische Störungen, Vorliegen von Wahn, Suchterkrankungen)?
  • Auch das Verhalten nach einer Videobehandlung sollte geplant und vorbesprochen werden.
  • Vor der Sitzung sollte außerdem reflektiert werden, ob bestimmte Interventionen oder Inhalte für eine Videobehandlung geeignet sind.

     

Nutzen-Risiko-Abwägung

     

  • Welchen Nutzen könnten Patient*innen durch eine Videobehandlung haben? (Erhöhte Flexibilität? Einbezug eines Elternteiles, der räumlich weit entfernt wohnt?).
  • Welche Nachteile können mit einer Videobehandlung für Patient*innen entstehen? (z.B. geringerer Aktivitätsaufbau, Verstärkung von Vermeidungsimpulsen).

     

Weitere ausführliche Informationen zu den genannten Punkten sowie zu den abrechenbaren Leistungen bei GKV Patienten, zur Vergütung, zur Praxisorganisation, zur Patienteninformation bietet das Praxis-Info Videobehandlung der BPTK vom November 2019.

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